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buchmesse:blogger sessions 17 in Leipzig: Warum es keine Buchblogger gibt

buchmesse:blogger (Foto: Leipziger Buchmesse)

buchmesse:blogger (Foto: Leipziger Buchmesse)

Zum zweiten Mal findet auf der Leipziger Buchmesse 2017 am Messe-Sonntag eine Konferenz für Buchblogger statt. Austausch und Information stehen am 26. März 2017 im Mittelpunkt der »buchmesse:blogger sessions 17«.

Ich habe in diesem Jahr die Ehre und das Vergnügen, die Veranstaltung zu moderieren. Daher an dieser Stelle ein paar Gedanken über Buchblogs und warum der Besuch der buchmesse:blogger sessions für Profis und Anfänger wichtig ist.

Buchschnorrer und Influencer: Was bisher geschah

Wenn das literaturcafe.de gelegentlich als Blog bezeichnet wird, dann zucke ich immer leicht zusammen. Vor 21 Jahren, als das literaturcafe.de gegründet wurde, gab es noch keine Blogs. Damals hatten die meisten deutschen Verlage nicht einmal eine Website. Menschen, die was im Internet schreiben, waren den Verlagen lange suspekt. Sind Blogger nicht eher Schnorrer, die kostenlos an Bücher kommen wollen? Selbst im Jahre 2011 wurde die Szene noch misstrauisch beobachtet. Damals moderierte ich in Frankfurt eine Runde zum Thema Verlage und Buchblogger [1].

2017 scheint sich das komplett gedreht zu haben. Buchblogger werden von den Verlagen umworben. Worte wie »Influencer [2]« und »Blogger-Relations [3]« sind auch in den PR- und Marketingabteilungen der Verlage zu hören. Insbesondere die Publikumsverlage setzen verstärkt auf weibliche Bloggerinnen, um Meinungen zu Büchern zu streuen. Zusammen mit Self-Publishing und E-Book hat dies zudem dazu geführt, dass oftmals Übergänge von der Bloggerin zur Buchautorin fließend werden. Autorinnen und Autoren werden zum »Meet & Greet« geschoben. Kaum ein Verlag, der nicht irgendwann ein »Blogger Event« startet. Deren Qualität reicht von gewinnbringenden Treffen bis hin zu Veranstaltungen, die bisweilen an Schulunterricht erinnern, wenn Blogger Aufgaben auf Zetteln lösen sollen.

2015 richtete die Leipziger Buchmesse zum ersten Mal eine »Bloggerlounge« ein [4], ähnlich einem Pressezentrum. In diesem Jahr schrieben zudem »Bloggerpaten« über die nominierten Titel des Preises der Leipziger Buchmesse. 2016 veranstaltete die Leipziger Buchmesse dann zum ersten Mal eine Blogger-Konferenz unter der Bezeichnung »buchmesse:blogger sessions 16«. Diese Veranstaltung stellte bewusst ein Gegengewicht zu den Bloggertreffen der Verlage dar. Hier präsentieren sich keine Autoren mit ihren Büchern, hier stehen die Buchblogs und ihre Aktivitäten selbst im Mittelpunkt. Die meisten der Sessions vom Vorjahr 2016 kann man sich bei Voice Republic als Audio-Mitschnitt anhören [5].

»Raus aus der Flauschzone!«, rief Karla Paul vom Edel-Verlag in ihrer Keynote [6] den Buchbloggerinnen und Buchbloggern zu. Das sprach mir einerseits aus der Seele, denn oftmals schmerzt es mich zu sehen, wie sich einige Buchblogger bereitwillig und unreflektiert vor den PR-Karren einiger Verlage spannen lassen. Auf der anderen Seite irritierte mich aber die im Laufe der Veranstaltung immer wieder gehörten Forderung, dass sich Buchblogs professionalisieren müssten. Dem liegt das gleiche Missverständnis zugrunde, das mich zusammenzucken lässt, wenn jemand das literaturcafe.de als Blog bezeichnet. Denn:

Das Buchweblogbuch gibt es nicht!

Das Buchblog (aka. Buchweblogbuch) gibt es nicht! Es gibt weder die Buchbloggerin noch den Buchblogger! Es ist nichts weiter als ein Hilfsbegriff, der Menschen bezeichnet, die etwas über Bücher im Internet auf der eigenen Website schreiben. Warum und wieso sie das tun und über welche Bücher sie schreiben, das ist überaus vielfältig. Es sind diese Gründe, die oftmals ein Murren unter Bloggerinnen und Bloggern hören lassen, wenn man von »den Bloggern« spricht, weil das Pauschale eben nicht für alle gilt und eine oder einer sich immer auf die Füße getreten fühlt.

Daher halte ich es für enorm wichtig, in diesem Jahr die Vielfältigkeit aufzuzeigen, warum und wie jemand über Bücher bloggt. Denn aus diesem Austausch lernt man am meisten, egal, ob man »Profi-Blogger« ist oder gerade erst begonnen hat, egal, ob man begeistert und gefühlvoll über Romance-Titel schreibt oder mit einer literarischen Analyse dem Feuilleton Konkurrenz macht. Wir lernen durch Austausch und nicht durch Abgrenzung. Das gilt auch für andere Web-Formate wie YouTube-Videos, Instagram-Fotos oder Podcasts. Oftmals sind auch hier die Übergänge fließend.

Dieser Austausch soll in diesem Jahr im Mittelpunkt der »buchmesse:blogger sessions 17« stehen. Warum bloggen Menschen über Bücher? Kann ich daraus etwas für meine Arbeit lernen? Sind neue Formen für mich interessant? Die Möglichkeiten sind gewaltig!

Kampf gegen Blogger-Halbwissen

Und wir wollen weiter gegen das Halbwissen kämpfen! Denn das kann im schlimmsten Fall teuer werden, wenn man beim Bloggen juristische Dinge nicht beachtet. Im letzten Jahr ging es u. a. um Zitate, Coverabbildungen und andere urheberrechtliche Aspekte [8]. In diesem Jahr wird Rechtsanwalt [9] und Buchblogger [10] Tilman Winterling u. a. über juristische Knackpunkte bei Gewinnspielen oder Werbeaktionen aufklären. Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Und gilt für mein Blog das Presserecht und was leitet sich daraus ab?

Ein weiterer Workshop von Lovelybooks [11] widmet sich dem Thema Sichtbarkeit und Reichweite. Wie erlange ich sie, wie messe ich sie und wie setze ich sie positiv für mich ein?

In den Pausen wird die Fotografin Birgit-Cathrin Duval [12] Buchbloggerinnen und Buchblogger porträtieren, wie sie es in den Vorjahren [13] bereits mit Autorinnen und Autoren getan hat [14]. Die Fotos dürfen für das eigene Blog kostenfrei verwendet werden. Infos über diese Aktion gibt es hier im literaturcafe.de [15].

Kann ich mit meinem Blog Geld verdienen und will ich das überhaupt?

Über ein Thema und gewisse Fragen kommen wir in diesem Jahr nicht herum, weil sie latent über grundsätzlich allen Blogger-Veranstaltungen schweben: Kann ich mit meinem Buchblog auch Geld verdienen? Will ich das überhaupt? Gehen wir also die Antworten aktiv an. Fabian Neidhardt vom Blog mokita.de [16] und ich werden den Versuch unternehmen, diese Fragen umfassend zu beantworten – unter anderem mit einer ganz speziellen Aktion, von der wir hoffen, dass sie uns gelingt. Wir sind aufgeregt und wollen noch nicht mehr verraten.

Ganz besonders freue ich mich auch auf den Anfang, auf die Keynote, die Eröffnungsrede. Andreas Platthaus [17], Ressortchef Literatur und Literarisches Leben bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) [18], hat sofort begeistert zugesagt. »Seit es Blogger gibt, ist die Welt der Literaturkritik nicht mehr dieselbe. Aber wir sind noch im selben Sternensystem, obwohl es draußen eine Galaxis und mehr gibt«, meint Platthaus. Ich bin neugierig, was er in den Sternen sehen wird.

Wolfgang Tischer

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