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Beitrag vom 13. März 2007 | Rubrik: Literarisches Leben

Buchhandel stellt Leser unter Generalverdacht

Die Musikindustrie hat ihr Image mit der Kampagne »Raubkopierer sind Verbrecher« bereits ruiniert. Durch Werbespots und Warnungen vor Kinofilmen und auf DVD wird dem ehrlichen Konsumenten unterstellt: »Auch du bist im Grunde genommen ein kriminelles Subjekt, wenn du nur die Gelegenheit dazu hättest! Wage es bloß nicht!« Das ist nicht gerade die Behandlung, die man als zahlender Kunde erwartet.

Nun schlägt auch der Buchhandel diesen Weg ein und stellt Buchleser unter Generalverdacht. Wie heise online berichtet, will die »Arbeitsgruppe Piraterie« des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels just auf der Leipziger Buchmesse darüber informieren »was beim Kopieren erlaubt und was nicht erlaubt ist«. Selbst vor dem unsinnigen Begriff »Piraterie« schreckt man dabei nicht zurück. Bereits vor einiger Zeit fiel der Börsenverein mit falschen Behauptungen unangenehm auf.

Natürlich muss geistige Arbeit und geistiges Eigentum geschützt werden. Dass Menschen, die ein Buch einscannen und als PDF-Datei bei eBay verkaufen, kriminell handeln, dürfte allerdings jedem klar sein. Geht man denn beim Börsenverein davon aus, dass gerade die Besucher der Leipziger Buchmesse zu solchen Verbrechern gehören? Anders kann man es sich kaum erklären, dass die Kampagne »Kopieren ist keine Kunst!« gerade dort startet, wo sich die Treffen, die viel Geld für Bücher ausgeben.

So schreibt ein Nutzer im Heise-Forum: Ich kann nur sagen: Überlegt euch das gut. Noch gebe ich für Bücher sehr gerne Geld aus. Ins Kino geh ich erst wieder, wenn diese penetrante Belästigung mit den Anti-Raubkopiererspots ein Ende hat, und für Musik kann man ja schon lange kein Geld mehr mit gutem Gewissen ausgeben, jedenfalls nicht bei den Majors. Ich kann dem Buchhandel nur dringend raten, sich sehr zu überlegen, ob sie sich wirklich in diese Gesellschaft begeben wollen. Der Kunde ist ein scheues Reh, und wenn eine Branche erst einmal verhasst ist …

10 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Sven schrieb am 13. März 2007 um 20:13 Uhr

    Ist schon schade das jetzt auch die Buch Industrie zu solchen überzogenen Mitteln greifen möchte. Erst mal jeden als Bösewicht hinstellen und dann wundern das einnahmen zurück gehen und der Interessanten Kreis schrumpft. Aber das ist wohl leider die Entwickelt, erst mal Angst machen und hoffen das dadurch mögliche Kriminelle abgeschreckt werden und man dadurch noch mehr Gewinn erzielen kann.

    viele grüße
    sven

  2. Mathilda schrieb am 14. März 2007 um 13:27 Uhr

    Ich glaube, daß es letztendlich dem Buchhandel mehr als schädlich kommen könnte, wenn man versucht den Menschen zu verbieten Buchseitn zu kopieren und weiterzuverbreiten. Prinzipiell ist es ja gerade in dieser Branche noch so, daß lesen am Bildschirm auf die Dauer viel zu anstrengend ist und die Menschen ihre Bücher dann doch lieber kaufen.

    Außerdem trägt es ja auch ein wenig zur Weiterverbreitung, also Werbung für den Autoren bei, wenn seine Sachen kopiert und eventuell weiter gegeben werden.

    Dieser Streß ist völlig unnötig! Wenn nicht sogar übertrieben…

  3. Mertens schrieb am 16. März 2007 um 02:02 Uhr

    Ich weiss gar nicht, was die Leute so über das Kopieren von Texten haben. Meine Erfahrungen mit dem Problem des Betruges, macht sich nicht nur im Rauben der Kopien deutlich, ondern im Missbrauch des Urheberrechtes für die eigenen Ideen.

  4. Mertens schrieb am 16. März 2007 um 02:05 Uhr

    Ich habe drei Projekte in LuLu veröffentlichen lassen und gehe davon aus, dass interessierte Menschen eben weil ich die Projekte ins Internet gesetzt habe, das notwendigen Interesse aufbringen, sich an meinen Ideen zu laben und aus ihren etwas verqueren Vorstellungen etwas anderes zu machen, als das, was die meisten Menschen damit machen.

  5. amok:books schrieb am 21. März 2007 um 13:33 Uhr

    Wir finden, eine Branche, die ihre Existenz einer Erfindung zum Erzeugen von Kopien (Druckerpresse) verdankt und damit den Wissens-Markt vom adeligen Haupt auf die bürgerlichen Füße stellte, sollte modernen Maschinen zum Erzeugen von Kopien (Computer) mit tieferem Geschichtsverständnis und mehr Fantasie begegnen.

    Unsere Meinung zum Thema hat sich in einem kleinen Pamphlet “The Art of Copy” niedergeschlagen, das ab Donnerstag in unserem Pressefach auf der Buchmesse liegt bzw. zeitgleich auf unserer Website zum Download bereitsteht …

  6. Theodor schrieb am 25. März 2007 um 09:49 Uhr

    An Martens:

    Lass dir sagen, dass deinem Kommentar gedankliche Klarheit fehlt. Allein über das Zitat ” Meine Erfahrungen mit dem Problem des Betruges, macht sich nicht nur im Rauben der Kopien deutlich” könnte man stundenlang ohne Ergebnis nachdenken. Meine Erfahrungen macht sich deutlich? Rauben der Kopien? Hilfe. Oh Mann.

  7. Theodor schrieb am 25. März 2007 um 09:51 Uhr

    Huch, du heißt ja Mertens. Korrekt muss Kritik schon sein. Entschuldigung.

  8. Mertens schrieb am 25. März 2007 um 23:45 Uhr

    Ich weiss eigentlich nicht, wieso Kritik immer so stichhaltig sein muss, dass jeder sie versteht. Auch wenn bestimmte Dinge keinen Sinn machen, angeblich, dann heisst dasss doch noch lange nicht, dass sie wirklich sinnlos sind, wie das Rauben von Kopien. Ciao

  9. Theodor schrieb am 26. März 2007 um 18:00 Uhr

    An Mertens:

    Da hast du absolut Recht. Kritik muss nicht stichhaltig sein und verstehen muss sie auch keiner.

  10. Hartmut Dresia schrieb am 2. April 2007 um 11:31 Uhr

    Raubkopierer sind keine Verbrecher. Verbrechen sind rechtswidrige Taten, die im Mindestmaß mit Freiheitsstrafe von einem Jahr oder darüber bedroht sind. Das Urheberrechtsgesetz sieht eine solche Mindeststrafe nicht vor. Vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels muss man einen exakten Sprachgebrauch erwarten können.

    Selbstverständlich sind Verstöße gegen das Urheberrechtsgesetz abzulehnen und zu ahnden.

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Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

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    […] wird dieses Vorhaben zur Leipziger Buchmesse bereits in der Blogosphäre diskutiert, unter anderem hier und […]

  2. Alpha - Kampf den Buchpiraten verlinkte am 18. März 2007 um 09:30 Uhr

    […] der Musik- und Filmindustrie zum Vorbild zu nehmen und damit seine Kunden zu vergraulen. Link: Buchhandel stellt Leser unter Generalverdacht Nun gut, meine Damen und Herren. Es ist ihr unbestreitbares Recht, Ihr Geschäft an den Kunden […]

  3. Paulo Coelho stellt Raubkopien der eigenen Werke ins Netz - und verkauft mehr Bücher « verlinkte am 4. Februar 2008 um 08:17 Uhr

    […] So lautet die einfache Kampagnen-Logik der Musikindustrie, der sich mittlerweile auch die Verlage angeschlossen haben. Demnach ist auch der Bestsellerautor Paulo Coelho (»Der Alchemist«, »Die Hexe von […]