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Buchcover-Designerin Carolin Liepins: Worauf Autoren achten sollten

Carolin Liepins (Foto: Bettina Weinberger)

Carolin Liepins (Foto: Bettina Weinberger)

Die Designerin Carolin Liepins, 1983 in Nürnberg geboren, gestaltet Buchcover für Verlage [1] und Selfpublisher.

Im Interview mit dem literaturcafe.de spricht sie über ihren Beruf, über gute und schlechte Buchcover, warum einige Cover-Entscheidungen von Angst getrieben sind und zu viele Hausfrauentests nicht hilfreich sind.

Ist das Buchcoverdesign für Sie ein Traumberuf, wie es für andere Autor, Sänger, oder Schauspieler wäre?

Carolin Liepins: Sänger oder Schauspielers wird von Kindern und Jugendlichen häufig für einen Traumberuf gehalten, da sie diesen mit Ruhm und Reichtum verbinden. Ich mag meinen Beruf sehr, aber mich bittet keiner im bodenlangen Abendkleid den roten Teppich hinunterzuschreiten, nur weil ich ein Buchcover illustriert habe. Mir jubeln nicht die Massen zu, dem Feuilleton bin ich völlig einerlei und meine Bezahlung lässt auch kein Leben in Saus und Braus zu. Ich würde zwischen meinem Beruf und den Berufen meiner Freunde, die Architekten, Werbetexter, Rechtsanwälte, Lehrer, Lektoren usw. sind, nicht unterscheiden. Der Glamourfaktor ist in etwa der Gleiche – nämlich Null (lacht).

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus? Darf man sich den als den klassischen Künstlerarbeitstisch, voller Farbtöpfchen, Pinsel, Stiften in verschiedenen Härten, Papier und Leinwandbögen vorstellen? Oder findet Ihre Arbeit zum Großteil einfach am Computer statt, mit Photoshop, InDesign und ähnlichen Programmen?

Carolin Liepins: Ich arbeite ausschließlich am Rechner mit den Programmen Adobe Illustrator, Photoshop und InDesign. Dabei bediene ich alles mit meinem Grafiktablett und dem dazugehörigen Stift. Es ist toll, wenn Kollegen sich noch mit Farbstiften, Pinseln und Papier betätigen, aber ich selbst kann wesentlich besser direkt am Computer gestalten und finde es auch viel praktischer, z. B. bei Änderungen und Korrekturen. Außer Rechner und Tablett findet man auf meinem Schreibtisch fast immer eine Teekanne, eine riesige Kaffeetasse und einen Blumenstrauß.

Cover von Carolin Liepins (Klick zum Vergrößern) [2]

Cover von Carolin Liepins (Klick zum Vergrößern)

Finden Sie, dass Ihre Arbeit, die ja sehr wichtig für den Verkaufserfolg eines Buches ist, eigentlich hoch genug geschätzt wird?

Carolin Liepins: Die Bezahlung könnte besser sein. Aber das geht vermutlich jedem so. Ansonsten reicht mir die Wertschätzung die meiner Arbeit zuteil wird aus. Ich bekomme sehr viel positives Feedback von den Verlagen für die ich arbeite und werde auch beauftragt, Spitzentitel zu gestalten, von denen ja erwartet wird, dass sie sich sehr gut verkaufen. Inhalt und Cover müssen sich natürlich ergänzen, im besten Fall verpackt ein tolles Cover ein gutes Buch (lacht)

Wer ist Ihr eigentlicher Auftraggeber, eine Agentur oder ein Verlag? Sehen Sie sich auch als Partnerin des Autors?

Carolin Liepins: Meine Auftraggeber sind Verlage und selbstverlegende Autoren. Wenn ich direkt mit dem Autor zusammenarbeite, sehe ich mich natürlich in erster Linie seinen Wünschen verpflichtet. Ist ein Verlag mein Kunde, versuche ich selbstverständlich dessen Vorstellungen und Bedürfnissen gerecht zu werden. Den Autor kenne ich, wenn ich für einen Verlag arbeite, normalerweise nicht und habe auch keinen Kontakt, ich weiß also gar nicht, was er sich wünscht. Wenn ich vom Verlag die Rückmeldung bekomme, dass der Autor sehr glücklich mit dem Cover ist, macht mir das natürlich immer große Freude.

Cover von Carolin Liepins (Klick zum Vergrößern) [3]

Cover von Carolin Liepins (Klick zum Vergrößern)

Was sind die Informationen zu einem neuen Buch, auf denen Sie unbedingt bestehen? Nur der Klappentext, oder wollen bzw. müssen Sie da schon mehr erfahren um dem jeweiligen Titel das ihm wirklich angemessene Cover gestalten zu können?

Carolin Liepins: Das ist stark vom jeweiligen Buchtitel abhängig. Wenn sich das Buch sehr eindeutig einem Genre zuordnen lässt, und es konkrete Vorstellungen vom Verlag gibt, wie das Cover auszusehen hat, brauche ich nur sehr wenige Informationen zum Inhalt. Sollen Personen abgebildet werden, ist es natürlich hilfreich zu wissen, wie diese im Buch beschrieben sind. Die Zielgruppe bzw. das Lesealter sind wichtig, und wie trivial bzw. anspruchsvoll das Buch ist. Es gibt durchaus Kunden, mit denen ich zusammenarbeite, von denen mir ein paar Schlagworte ausreichen, um mit meiner Arbeit zu beginnen. In seltenen Fällen ist es aber auch nötig ein Buch vorher zu lesen, mal fällt der Zugang leichter, mal schwerer.

Wir alle erinnern uns sicher an Fälle, in denen das Buchcover so weit vom Inhalt des Buches entfernt war, dass man als Käufer schon den Verdacht hegen könnte, da ein wenig über den Tisch gezogen worden zu sein. Kommt es vor, dass Sie in einer Buchhandlung auf den Büchertisch schauen und schon auf den ersten Blick denken: Oh Gott, dieses oder jenes Cover ist ja so grottig?

Carolin Liepins: Natürlich gibt es Cover, die ich wenig gelungen finde, auch ohne zu wissen, ob diese zum Inhalt passen oder nicht. Vieles ist grafisch dilettantisch umgesetzt, oder auch einfach insgesamt belang- oder reizlos. Es gibt schlechte Designer, aber auch schlechte Entscheidungen auf Verlagsseite. Manchmal hat man als Designer einfach keine Wahl und muss die Kundenwünsche erfüllen, ob es einem gefällt oder nicht.

Es existieren im Coverdesign bestimmte Trends. Ich erinnere mich an den Programmleiter eines großen Publikumsverlags, der neulich sagte: »Ich kann keine blutigen Messer und Skalpelle mehr auf Krimicovern sehen. Und bis es mit Blumen soweit ist kann es auch nicht mehr lange dauern! « Ist es überhaupt noch möglich, neue Trends bei Covern zu setzen, um schon damit aus dem bunten Einerlei auf den Büchertischen in der Buchhandlung herauszustechen?

Carolin Liepins: In irgendeiner Form hat es sicher alles schon mal gegeben. Das Rad bzw. das Buchcover neu zu erfinden wird kaum möglich sein. Blutige Messer sind nun mal beängstigend. Hin und wieder wird es trotzdem überraschende oder ungewöhnliche Kombinationen von Motiv, Schrift, Technik und Bildsprache geben. Wenn sich die Verlage mehr trauen würden, gäbe es sicher mehr Variationen und öfters mal was Besonderes. Oft sind die Entscheidungen für den einen oder den anderen Entwurf von der Angst nicht zu verkaufen geleitet und nicht davon, Bücher besonders innovativ oder mutig zu verpacken.

Cover von Carolin Liepins (Klick zum Vergrößern) [5]

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Was sind überhaupt die Parameter, die ein gutes Buchcover ausmachen? Existieren die überhaupt?

Carolin Liepins: Ein gutes Buchcover ist ästhetisch ansprechend und widerspricht dem Inhalt nicht. Alles andere ist sehr variabel. Das soll heißen, dass das ein sehr komplexes Thema ist, auch wenn das Ergebnis oft einfach wirkt. Es gibt kein Rezept für Buchcover.

Was halten Sie als Proficoverdesignerin von Seiten wie 99designs.de, wo sich im Grunde jeder, der mag und etwas Photoshop oder InDesign beherrscht, als Coverdesigner versuchen kann? Betrachten Sie so etwas als die Zukunft? Ist das ernsthafte Konkurrenz oder eher nur eine Randerscheinung, die sich höchstens auf Selfpublisher beschränkt?

Carolin Liepins: Ich denke, dass es sich wirklich nur um eine Randerscheinung handelt. Für den einen oder anderen Selfpublisher mag das eine Option sein, aber dass Verlage auf dieses Angebot zurückgreifen halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Erstens bin ich der Meinung, dass kein vernünftiger Designer dort seine Leistungen anbieten wird, zweitens ist Buchcoverdesign ein Bereich, der sehr nischig und speziell ist. Verlage arbeiten gerne mit Designern, die schon einige Referenzen vorweisen können und Buchcover erfahren sind.

Cover von Carolin Liepins (Klick zum Vergrößern) [6]

Cover von Carolin Liepins (Klick zum Vergrößern)

Können Sie Tipps für Autoren geben, worauf sie bei ihren Covern grundsätzlich achten sollten

Carolin Liepins: Selfpublisher sollten darauf achten, einen guten Designer bzw. Illustrator zu beauftragen und ihm bei seinen Entscheidungen vertrauen. Wer zu viele Hausfrauentests macht also die Mutter, den Ehemann, die Nachbarin, den Hund von der Cousine vom Friseur usw. fragt, wird sehr viele unterschiedliche subjektive Meinungen von Laien zu hören bekommen. Am Ende verwirrt das nur und führt ziemlich sicher zu einer gestalterischen Verschlechterung. Dem eigenen Instinkt zu folgen ist sicher schlauer … und dem des Designers (lacht).

Frau Liepins, wir danken herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen noch viele gute Ideen und spannende Aufträge!

Das Interview führte David Gray