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Beitrag vom 18. Januar 2012 | Rubrik: Literarisches Leben, Literatur online

Blackout Day: Warum auch der deutsche Buchhandel Zensurinstrumente im Web befürwortet

Am 18. Januar 2012 war die englische Startseite der Wikipedia schwarzEinen Tag lang zeigten us-amerikanische Websites wie wikipedia.org, die Blog-Plattform wordpress.com oder das Web-Magazin boingboing.net am 18. Januar 2012 eine schwarze Eingangsseite oder »Zensiert«-Banner. Sogar auf google.com war ein Hinweis zu lesen: »Tell Congress: Please don’t censor the web!«

Die Betreiber protestierten gegen ein geplantes Gesetz, das Provider dazu verpflichten soll, den Zugriff auf Websites zu verhindern, auf denen tatsächlich oder vermeintlich illegale Kopien urheberrechtlich geschützter Werke angeboten oder verlinkt werden.

Kritiker wie die EFF warnen, dass die dazu notwendige technische Infrastruktur Begehrlichkeiten weckt und einer allgemeinen Webzensur Vorschub leistet.

Doch selbst der deutsche Buchhandelsverband befürwortet Zensurinstrumente.

In den USA wird der Einsatz der Zensurmechanismen schwerpunktmäßig von der Film- und Musikindustrie vorangetrieben. Deren Lobby-Vertreter setzten sich massiv dafür ein, dass sich die Verwertungsindustrie ohne juristische Umwege direkt an die Provider wenden kann, um unliebsame Angebote wie Tauschbörsen sperren zu lassen, auf denen oftmals illegale Kopien von Filmen, Musik und E-Books lagern.

Selbst Websites, die nur auf solche Angebote verlinken, sollen nach dem Willen der Rechteverwerter gesperrt werden können.

Dass mit der Sperrung ganzer Domains Kollateralschäden entstehen und auch viele legale Inhalte nicht mehr zugänglich sind, wird in Kauf genommen.

Der Betrieb offener Wikis, Suchmaschinen oder sozialer Netzwerke wird zusehens schwieriger, weil niemand garantieren kann, dass dort nicht auch mal ein »illegaler Link« auftaucht – und sei es nur zeitweise.

Zensurmechanismen im Namen der Kreativen

Das Schlimmste ist jedoch, dass mit diesem Gesetz eine technische Infrastruktur aufgebaut wird, mit der eine allgemeine Zensur ermöglich wird. Es ist zu erwarten, dass Forderungen laut werden, dass nicht nur »Raubkopien« gesperrt werden, sondern auch Inhalte mit zu viel nackter Haut oder Beleidigungen oder Anti-Amerikanischer-Hetze – oder das, was man dafür hält.

Es wäre das Ende des freien Internets.

Solche Bestrebungen nach einer Domain-Zensur bestehen nicht nur in den USA. Das so genannte ACTA-Abkommen soll demnächst von der EU und den einzelnen Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Auch hier wird unter dem Deckmantel »Produktpiraterie« und »Urheberrechtschutz« der Aufbau von Mechanismen gefordert, die eine allgemeine Zensur ermöglichen und die Menschenrechte einschränken könnten.

Sind technische Mechanismen und Verfahren vorhanden, wird erfahrungsgemäß rasch der Ruf nach einer Ausweitung laut. Man denke nur an die deutschen Mautbrücken, die man – wo sie doch schon mal da sind – zur Fahndung nach beliebigen Fahrzeugen einsetzen könnte. Oder die Vorratsdatenspeicherung, mit der man rasch auch Tausende von Unschuldigen »digital filzen« kann.

Parodie auf einen Warnhinweis, wie ihn der Börsenverein des Deutschen Buchhandlels fordert

Parodie auf einen Warnhinweis, wie ihn der Börsenverein des Deutschen Buchhandlels fordert

Selbst der Börsenverein für den Deutschen Buchhandel unterstützt solche gesetzlichen Schritte und fordert die Politik zum Handeln auf. Es werden Warnhinweise gefordert, wenn sich hinter einem Link ein vermeintlich böser Inhalt befinden könnte. Doch wer garantiert, dass es nur bei Warnungen bleibt? Und wer garantiert, dass die Warnung berechtigt ist? Und wer garantiert, dass nicht die Daten derjenigen oder desjenigen gespeichert werden, der die Warnung zu sehen bekommt?

Auch einige deutsche Websites wie spreeblick.de haben sich am 18. Januar 2012 selbst offline geschaltet und nur einen Hinweis platziert.

Für den Schutz der Urheber aber gegen Zensurinstrumente

Das literaturcafe.de war nicht abgedunkelt, lediglich ein »Stop SOPA«-Banner war am 18. Januar 2012 rechts oben auf unserer Website zu finden, und Sie lesen jetzt diesen Artikel.

Wir sind für die gerechte Entlohnung von Schriftstellern, Übersetzern und anderen Urhebern. Wir sind ebenso gegen illegale Kopien!

Stop SOPA-Banner am 18. Januar 2012 im literaturcafe.deAber wir sind gegen den gutgläubigen Aufbau von Zensurinstrumenten, die die Gefahr des Missbrauchs bergen! Illegale Inhalte sollten gelöscht statt halbherzig blockiert werden und die Politik soll sich dafür einsetzen, dass das Löschen durch internationale Verträge und Übereinkommen erleichtert wird.

Entgegen der landläufigen Floskel ist das Internet kein rechtsfreier Raum, und es existieren bereits heute Gesetze, um Verstöße gegen das Urheberrecht zu ahnden. Die Verfolgung und Bewertung eines solchen Verstoßes muss jedoch Aufgabe des Staates bleiben und darf nicht an parteiische Quasi-Hilfssherrifs von der Verwertungsindustrie delegiert werden.

14 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Frank schrieb am 18. Januar 2012 um 23:52 Uhr

    Danke für die interessante Zusammenfassung und die Darlegung des eigenen Standpunktes. Als Leser will ich natürlich auch, dass die im literarischen Betrieb Arbeitenden angemessen entlohnt werden. Was mich aber stört, ist, dass viele Autoren (und natürlich auch Verbände) so tun, als sei das Urheberrecht mit seinen langen Verjährungsfristen und den implizit zugrunde liegenden Kunst- und Literaturvorstellungen eine natürliche, man möchte fast sagen gottgegebene Sache. Ich zum Beispiel höre viel Musik, die unter freien Lizenzen steht, und wenn Sie mir gefällt, den spende ich auch was (so die Musiker diese Möglichkeit überhaupt auf ihrer Seite vorgesehen, d.h. eingebaut haben – Flattr, Online-Bezahlsysteme etc.) Im Buchbereich aber finde ich kaum mal die Möglichkeit, einen von einem professionellen Autor geschriebenen Roman (ich meine also nicht die “Hobbyware” auf den einschlägigen Plattformen) online zu lesen oder ihn herunterzuladen, natürlich dann mit der Möglichkeit versehen, das Buch oder eBook zu kaufen bzw. etwas zu spenden. Hier könnte man ansetzen, tut es aber nicht. Die Angst vor dem “bösen Internet” und den “noch böseren Raubkopierern” scheint die Literaten zu lähmen.

  2. Silvana schrieb am 22. Januar 2012 um 11:37 Uhr

    @ Frank: Ich stimme dir in fast allen Punkten zu, doch denke ich, dass es – abseits der tatsächlich meist grausam geschriebenen “Hobbyware” – inzwischen eine ganze Reihe von wunderbaren Romanen gibt, die man online lesen und auch herunterladen kann. Ich erinnere mich z.B. an ein Buch namen Callasbox (http://etkbooks.com/edition/callasbox), das ich online gelesen habe. Ein wunderbares Stück Literatur, dass neben dem Literarischen subtil mit den Möglichkeiten des Klanges spielt und damit ein ganz eigenes Textgewebe schafft. Ganz anders geartet, aber dennoch sehr schön, das “literarische Schundprojekt” “Die Leidenschaften einer Frau” auf lodernd.at. Das hat für mich Kultpotential. Und schließlich bin ich vor ein paar Tagen auf einen Roman gestoßen, der sich “xo” nennt und literarisch ganz eigene Wege geht. Ich bin zwar erst bis Seite 220 gekommen, aber was ich bisher gelesen habe, fand ich stilistisch sehr virtuos. Insofern würde ich sagen, dass es inzwischen zumindest ein paar Autoren gibt, die sich Gedanken über die Möglichkeiten des Netzes und machen, und nicht – wie etwa die östereichische Initiative “Kunst hat Recht” – ein vollkommen überholtes Urheberrechts- und Technikverständnis haben. Die Software zum Kopieren von eBooks etc. ist längst da – und der sind sämtliche Gesetze zu Urheberrechten und geistigem Eigentum komplett egal. Ich denke also, man muss am Bewusstsein der Leute etwas ändern – sowohl an dem der Autoren und Verlage, als auch an dem der Leser. Dann werden es derlei peinliche und kreuzgefährliche Zensurmaßnahmen wie die im Artikel beschriebenen viel schwerer haben, als jetzt.

  3. Tom Liehr schrieb am 24. Januar 2012 um 13:30 Uhr

    Ich find’s immer wieder erstaunlich (langsam schleift sich dieser Effekt allerdings), wenn Leute, die am Ende des Monats erwarten, ihr Gehalt auf dem Konto vorzufinden, dieses Recht anderen absprechen, nur weil sie “Künstler” sind und vermeintlich etwas herstellen, das – aus welchen Gründen bitteschön? – jedermann frei konsumieren können sollte. An welcher Stelle unterscheidet sich die Arbeit – und es ist oft sehr viel Arbeit -, die aufgewendet werden muss, um ein Buch zu schreiben, ein Album aufzunehmen oder einen Film zu produzieren (von der Quälerei vorher, den Jahren des Übens und des Klinkenputzens ganz zu schweigen), davon, Bankkunden zu beraten, ein Dach zu decken oder verdammte Hühner zu züchten? Nur weil man das Ergebnis des einen “Kultur” nennt, wird jenen, die sie herstellen, ein Besitz- und Verwertungsrecht abgesprochen, das jedermann sonst für seine Arbeit und seinen erwirtschaftetes Eigentum in Anspruch nimmt. Keiner verlangt, dass gekaufte Eigentumshäuser nach zehn Jahren “gemeinfrei” werden oder dass man Wohnungen monatelang probebewohnen kann, um bei Gefallen dann eine Spende an den Hausbesitzer zu entrichten, natürlich nach Gusto und in ebenso natürlich selbst festgesetzter Höhe. Wie absurd.

    Zum Inhalt des Artikels, der in Konjunktivitis schwelgt: “Das Internet” ist nicht frei und war es niemals, es ist eine technische Struktur, die benutzt und missbraucht wird, je nach Interessenlage und kriminellem Potential. Wer von der “Freiheit des Internets” schwätzt und in der selben Zeit hunderte von Virenangriffen und Spam-Attacken verzeichnet, redet schlicht Unsinn. Er ignoriert, dass dieses Medium auch dafür benutzt wird, Kriminalität zu organisieren, kriminelles Material zu verbreiten und menschenverachtendes Gedankengut zu multiplizieren. Ja, jede Maßnahme, die angedacht wird, um wenigstens einen Hauch von Kriminalitätseindämmung zu etablieren, *könnte* auch dafür genutzt werden, Kontrolle und Zensur nachzureichen, aber das ist spekulativ und täuscht nicht darüber hinweg, dass es langsam, aber sicher Möglichkeiten geben *muss*, der massierten Kriminalität im Netz Herr zu werden. Produktpiraterie ist an dieser Stelle höchstens ein Kristall des Eisbergs. Und die so oft beschworene Freiheit sollte auch jenen zuerkannt werden, deren Schöpfungen und Leistungen mit Hilfe des Mediums missbraucht, oft sogar vernichtet werden. Mit der Freiheit, die hier kolportiert wird, ist die Freiheit von rechtlichen Normen gemeint – und die gibt es nicht “im Internet”, jedenfalls sollte es sie nicht geben. Das Netz ist kein rechtsfreier Raum.

  4. jaro schrieb am 24. Januar 2012 um 23:58 Uhr

    Sehr geehrter Herr Liehr, man kann über ihre Zeilen streiten (und mit ein bisschen mehr Muse werde ich das auch bei Gelegenheit gern tun), aber wenn das erste, was man auf der Homepage eines Autors sieht, ein Foto ist, unter dem steht “Weiterverwendung streng untersagt!”, dann bekommt man das Gefühl, hier sie jemand sehr auf sich und sein Werk und seine Rechte fixiert. Um nicht falsch verstanden zu werden: Niemand spricht den Autoren und Künstlern eine faire Bezahlung ab. Aber mit dem Denken von Vorvorgestern werden wir alles erreichen, nur nicht ebendas.

  5. Tom Liehr schrieb am 25. Januar 2012 um 09:38 Uhr

    Sehr geehrter “jaro”,
    schon interessant, wie eng fixiert die Wahrnehmung wird, wenn man der Meinung ist, Vorkämpfer für ein “neues Denken” zu sein. Unter dem fraglichen Foto findet sich neben dem zitierten Hinweis darauf, dass es nicht weiterverwendet (copy & paste) werden darf, außerdem ein Urheberhinweis – aufgenommen wurde es von einer Agentur, deren Geschäft u.a. darin besteht, professionelle Aufnahmen von Autoren (und anderen Persönlichkeiten des “öffentlichen Interesses”) mit großem Aufwand herzustellen und diese den Pressediensten, Verlagen usw. anzubieten. Es geht also nicht um *mein* Werk und *meine* Rechte, sondern um diejenigen von Dritten – Profis, die davon leben (oder zu leben versuchen), solches Material herzustellen und deshalb eben darauf angewiesen sind, dafür auch vergütet zu werden. Wodurch sich begründen ließe, dass diese Leute dies gefälligst kostenfrei und zur beliebigen Verwendung tun sollten, erschließt sich mir nicht; ein schlüssiges Argument hierfür ist mir jedenfalls nicht bekannt. Sie, werter “jaro”, werden vermutlich auch für Ihre Arbeit bezahlt – das ist die Basis einer sozialen Marktwirtschaft. Nur, weil man etwas als “Kunst” bezeichnen könnte, was übrigens auch für die Ergebnisse vieler Tätigkeiten gilt, die nicht unmittelbar künstlerischer Art sind, heißt das noch lange nicht, dass jedermann Anspruch darauf erheben kann. Wer fordert, dass “Kunst” völlig frei verfügbar wird, ohne den Urheber zu vergüten, plättet die Kultur.
    Herzlich,
    Tom Liehr

  6. jaro schrieb am 25. Januar 2012 um 12:10 Uhr

    Sehr geehrter Herr Liehr, das mit der Agentur habe ich durchaus gesehen, mich hat aber vor allem die Art und Weise der Formulierung gestört, dieser Imperativ-Ton. Aer gut, geschenkt. Was mir wichtiger ist zu sagen ist dies: Wir haben einen status quo, der da heißt: es gibt eBooks und davon immer mehr. Es gibt auch die Software, um diese Dinge zu kopieren, auch die ist immer mehr vorhaden. Und wir haben Leute, die das tun. Was also kann ein Künstler machen? Auf Gesetzesverschärfungen und Sanktionen pochen? Klar, aber was bringt das? Die Kopier-Software interessiert sich dafür nicht, und die Menschen, die sie bedienen, ebensowenig. Ich denke, wir bekommen auf Dauer nur dann einen funktionsfähigen eBook Markt hin – und das heißt eben auch: einen, in dem die leute für die Produkte bezahlen – wenn man die Restriktionen weglässt und auf ein Bewusstsein hinarbeitet, dass von selbst den Wert eines Produktes erkennt. Keine Frage, das ist ein schwerer und langwieriger Weg, und das Ende offen. Aber wenn man den Wert einer Sache vermitteln will, so denke ich, sollte man das nicht unbedingt durch Verknappung und Restriktionen tun (DRM-Maßnahmen, Gesetze etc.), sondern dadurch, dass man offensiv mit seinem Werk umgeht. Musik z.B. kann ich streamen, wenn sie mir gefällt kaufe ich sie. Aber wo finde ich komplette Romane online zum Lesen, die ich, wenn sie mir gefallen, als eBook für meinen Reader oder als gedrucktes Buch kaufen kann? Ich kenne, abgesehen von der von “Frank” beschriebenen Hobbyware da fast keine Beispiele, auch wenn “Silvana” einige genannt hat, die ich (noch) nicht beurteilen kann?
    Und last but not least: Wie stehen Sie zum Urheberrecht? Wie wollen Sie mit den veränderten (digitalen) Möglichkeiten umgehen?

  7. Uli schrieb am 27. Januar 2012 um 10:04 Uhr

    @jaro:

    “Es gibt auch die Software, um diese Dinge zu kopieren”

    Angenommen, Sie finden vor einem Autohaus den Schlüssel zu einem der ausgestellten Wagen. Ist das dann eine Aufforderung bzw. eine Erlaubnis, dieses Auto zu klauen?

    “Aber wo finde ich komplette Romane online zum Lesen, die ich, wenn sie mir gefallen, als eBook für meinen Reader oder als gedrucktes Buch kaufen kann?”

    Sie wollen ernsthaft behaupten, Sie würden einen Roman, den es umsonst zu lesen gibt, anschließend kaufen? Ich bitte Sie …

  8. Mareike schrieb am 27. Januar 2012 um 13:18 Uhr

    Ich kaufe Musik, die ich vorher gehört habe. Ich will sie eben “besitzen”, auf meinen iphone oder sonst irgendwo, nicht nur in der “cloud”. Und ich will die Künstler damit auch unterstützen. Mit Büchern habe ich das noch nicht ausprobiert, dafür lese ich (derzeit) zu wenig, aber ich würde, wenn mich ein Buch fesselt, es dann auch gern gedruckt kaufen.

    Achja, in Österreicht gibt es derzeit eine interessante Diskussion um Urheberrechte. Es treten an: “Kunst hat Recht” vs. “Mehr Rechte gegen Kunst”. Zum aktuellen Stand:
    http://derstandard.at/1326503743951/Gegeninitiative-zu-Kunst-hat-Recht-Mehr-Rechte-gegen-die-Kunst

  9. Alexcien schrieb am 28. Januar 2012 um 13:24 Uhr

    Hallo,
    … ich verteh’s nicht, bin wohl einfach zu blöd. Wieviel ist den Menschen in diesem Land Kunst & Kultur wert, wenn sie nichts dafür bezahlen wollen. Was ist das bloß für eine Ich-will-alles-kostenlos-Mentalität? Sollen Musiker, Dichter, Künstler, Verleger (und die sind in der Mehrheit Kleinverleger!) Galeristen etc. nicht von Ihrer Arbeit leben dürfen?! Ja arbeitet Ihr den für lau? Kann ich gratis meine Brötchen holen, kostenlos ins Internet oder zum Friseur gehen? Warum ist es so schwer das immaterielle Gut “Urheberrecht” zu akzeptieren und nicht anzutasten. Generationen haben dafür gekämpft! Oder sollen sich Künstler wieder von den Mächtigen aushalten lassen und ihnen nach dem Munde schreiben. Eine fragwürdige Gratis”Freiheit” im Internet und dafür Ausbeutung in Real World. Man sollte das Internet und seine Möglichkeiten nicht zu sehr mystifizieren. Der Deutsche kauft im Jahr etwa 8 Bücher (darunter noch einige zum verschenken!) – es wird ihn also nicht ruinieren, wenn er dafür bezahlen will. Und wer gratis eBooks will: – bei Amazon kann man über 5.400 Titel gratis downloaden. Etwa schon alle gelesen?
    Bin gespannt, wie sich diese Diskussion entwickelt.

  10. leseratte schrieb am 4. Februar 2012 um 09:18 Uhr

    Ein Beispiel wo es funktioniert: Der Autor CORY DOCTOROW stellte seinen Roman LITTLE BROTHER als PDF kostenfrei ins Netz – komplett. Und verkaufte das Buch sehr gut als gedruckte Version. Ich selbst hab es online angefangen zu lesen und mir dann als Buch gekauft, weil ich lieber ein Buch in der Hand habe. Ist nur ein Beispiel.

    Was wir eigentlich brauchen, ist ein neues Urheberrrecht, was in unsere digitale Zeit passt und beiden Seiten gerecht wird. Das würde aber bedeutet, dass Verlage und Verwertungsgesellschaften ihren maßlosen Hunger nach noch mehr Einnahmen, wovon sie den Künstlern nicht das abgeben, was diese verdienen, zügeln.

    Und vielleicht sollten sich hier einige Kommentatoren mal ACTA in Ruhe durchlesen, ebenso SOPA und PIPA – um zu verstehen, worum es wirklich geht.

  11. Sandra schrieb am 5. Februar 2012 um 15:18 Uhr

    Danke, Leseratte, bin ganz Deiner Meinung. Mir hat “Little Brother” auch gefallen und dann habe ich es mir gekauft. Aber in Deutschland scheinen die Autoren weder die Zeichen der Zeit noch ihre Möglichkeiten zu erkennen, sondern nur die Risiken der “bösen digitalen Welt” zu sehen. Zum Glück gibt es wenigstens ein paar, die das anders machen. Bin gestern durch einen eBook-Blog auf die Quandary Novelists aufmerksam gewurden. Die kümmern sich einen Dreck um’s Copyright – und schreiben dazu noch wunderbare Literatur abseits des Mainstreams. Der Roman, den einer von denen veröffentlicht hat , ist literarisch jedenfalls furios. (Den Rest kenne ich noch nicht.) Aber über sowas erfährt man eben nichts, sondern hört meist nur von den Interessensverbänden und Besitzstandswahrern. Das ist traurig.

  12. Vilja schrieb am 9. Februar 2012 um 09:15 Uhr

    Jetzt mal ganz allgemein zum Thema Raupkopien jeglicher Art im Internet. Welche Menschen sind es denn, die illegal Filme und Musik und Literatur downloaden? Meistens Leute, die eh nicht viel Geld haben, vermute ich mal. Leute, die sich eh nicht die CD, DVD oder das Buch kaufen würden, weil sie einfach nicht das Geld dafür haben. Deshalb stelle ich wirklich in Frage, ob durch Raubkopien so ein erheblicher Schaden entsteht, wie immer propagiert wird. Natürlich ist das Urheberrecht eine wichtige Sache, mir würde es auch missfallen, wenn ich meine Literatur an einem Platz sehen würde, wo ich sie nicht haben will. Aber lässt sich das wirklich umsetzen, Urheberrecht im Internet, ohne Zensur? Ich bin mir da nicht so sicher… wenn doch die Menschheit nur ein kleines Stückchen vernünftiger wäre. Nebenbei bin ich auch ganz Sandras Meinung.

  13. Uli schrieb am 10. Februar 2012 um 09:26 Uhr

    “Meistens Leute, die eh nicht viel Geld haben …”

    Okay, aller Voraussicht nach werde ich auch nicht das Geld haben, mir in ein oder zwei Jahren ein neues Auto zu kaufen. Aber ich will unbedingt ein Neues!!! Also klettere ich beim Händler um die Ecke über den Zaun und klau mir eines.

    Schaden? Für den Hersteller? Den Händler? Na kommt, wegen dem einen Auto doch nicht, oder? Oder wegen dem einen Buch (monate/jahrelange Arbeit), wegen dem einen Film (dreistellige Millionensummen, hunderte Mitarbeiter usw) wegen der einen CD (siehe Beispiel Buch)

    Ist doch alles nicht so schlimm. gebt alles frei, stellt alles ins Netz, es muss sich ja jeder alles leisten können und alles haben müssen!

    So, jetzt gehe ich mal eben kotzen … vielleicht bin ich ja dann hinterher “ein kleines bisschen vernünftiger”.

  14. Vilja schrieb am 11. Februar 2012 um 10:54 Uhr

    Genau das meine ich. Wenn die Menschen doch nur einmal kurz innehalten und nachdenken würden…

    Aber naja, das war wohl ein wenig zu viel verlangt.

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