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Beitrag vom 16. September 2015 | Rubrik: Literarisches Leben, Self-Publishing

Bestseller-Autorin Cornelia Funke gründet eigenen Verlag

Cornelia Funke (Quelle: Wikipedia/Cruccone, CC BY 3.0)

Cornelia Funke (Quelle: Wikipedia/Cruccone, CC BY 3.0)

Die erfolgreiche Bestseller-Autorin Cornelia Funke (»Tintenherz«) wird zur Self-Publisherin – wenngleich in einem größeren Stil.

Weil die Autorin ihre Bücher auf Geheiß ihres Verlages nicht für den US-Markt umschreiben will, gründet sie für den amerikanischen Markt einen eigenen, in dem ihre Bücher erscheinen werden.

Laut einem Bericht von Publishers Weekly fand Cornelia Funkes amerikanischer Verlag Anfang und Ende ihres aktuellen Buches »The Golden Yarn« für die Leserinnen und Leser ungeeignet. Unter dem Titel »Das goldene Garn« erschien der dritte Band der Reckless-Reihe bereits im Februar auf Deutsch.

In einer E-Mail habe der Verlag der Autorin mitgeteilt, dass man das neue Buch zwar liebe, doch eine Geburtsszene gleich im ersten Kapitel sei zu drastisch für das amerikanische Lesepublikum. Könne die Autorin das erste Kapitel nicht woanders platzieren? Und auch das offene Ende könnte den Leserinnen und Lesern missfallen. Könnte die Autorin da nicht noch einen Epilog anschließen?

Wie es in dem Bericht heißt, war Funke fassungslos über diese Änderungswünsche. Im ersten Kapitel gehe es um die Liebe und die Frucht der Liebe – ein Baby. Und auch das Ende des Buches liebe die Autorin. Für den US-Markt will sie es auf Wunsch des Verlages nicht einfach ändern.

Die Konsequenz: Cornelia Funke gründet für die US-Ausgaben ihrer Bücher einen eigenen Verlag. Offenbar geht es generell um die englischsprachigen Ausgaben, also auch um den britischen Markt. Falls dies tatsächlich so schnell möglich sein sollte, müsste die aus Deutschland stammende und in Los Angeles lebende Autorin ihre Vertragskonditionen gut verhandelt haben, um die Verlagsfesseln so rasch ablegen zu können. Cornelia Funke agiert hier nicht unähnlich wie ihre Kollegin Joan K. Rowling (»Harry Potter«), die ebenfalls erkannt hat, dass nicht sie vom Verlag, sondern der Verlag längst von ihr abhängig ist.

Funkes eigener Verlag trägt den Namen »Breathing Books« (Atmende Bücher), und es ist höchst interessant, dass als Partner eine Firma beteiligt sein wird, die Apps und interaktive Bücher gestaltet. Die Autorin plant neben den Buchausgaben daher, auch Apps zu ihren Büchern zu veröffentlichen. Ebenfalls geplant sind kostenlose E-Book-Downloads, die tiefer in die phantastische Welt ihrer Bücher einführen sollen.

Der Autorin habe es ohnehin missfallen, dass ihr US-Verlag das Lesealter ihrer Bücher bereits bei 9 Jahren angesetzt habe, während sie dieses eher bei 14 Jahren sieht. Die großen Verlage, so zitiert Publishers Weekly die Autorin, seien wie Ozeandampfer, die nur bestimmte Häfen anlaufen können. Sie selbst wünsche sich jedoch eher ein Segelboot, das auch mal anderswo anlegen könne. Nun müsse sie dies eben selbst verwirklichen.

Mit einer Gesamtauflage von 20 Millionen Büchern in 37 Sprachen kann sich Funke dies gut leisten. Die deutschen Ausgaben und die in nicht-englischen Sprachen werden offenbar weiterhin bei den jeweiligen Verlagen erscheinen. Allerdings: Etwas unruhig werden dürfte man in diesen Häusern nun wohl dennoch.

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