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Beitrag vom 16. Oktober 2013 | Rubrik: Behmels Bösewichter

Behmels Bösewichter (4): Wer stiehlt die Show?

Albrecht Behmel, Initiator des Samiel Awards

Albrecht Behmel (Foto: privat)

Der Große Böse Wolf, Mephistopheles, Dracula und die Panzerknacker – wer liebt sie nicht? Schurken sind ein zentraler Erfolgsfaktor in Geschichten, gleich ob es Märchen sind, Thriller oder Romanzen. In gewisser Weise brauchen sogar Sachbücher Antagonisten oder zumindest antagonistische Kräfte, denn wir Menschen sind von Konflikten, Siegen und Niederlagen fasziniert.

In dieser Kolumne zum Samiel-Award ergreife ich Partei für das Böse. Im vierten Teil geht es um die Frage, ob nicht die Bösen die eigentlichen Hauptfiguren einer Geschichte sind.

Samiel Award 2013 - Bester AntagonistDer Samiel Award
ist ein Literaturpreis für Autoren, die herausragende Antagonisten erschaffen haben: Monster, Schurken, Fieslinge und Gegenspieler. Bis zum 1.12.2013 können Verlage und Autoren Ihre Charaktere für den Preis vorschlagen, der vor Weihnachten verliehen wird. Das literaturcafe.de unterstützt als Partner den Wettbewerb.

Albrecht Behmel ist der Initiator des Samiel Awards. In dieser Kolumne begibt er sich auf die Spur des Bösen.

Alle Infos zum Samiel Award »

Man könnte behaupten, dass die Antagonisten die Hauptfiguren ihrer eigenen Geschichte seien. Dies trifft in den meisten Fällen zu. Doch die Erzählperspektive blendet dies aus und stellt den Protagonisten dar.

Mit veränderten Vorzeichen würde eine andere Art von Geschichte entstehen, zum Beispiel das Märchen von Rotkäppchen aus der Sicht des Wolfs.

Damit ist die Frage, wer Antagonist und wer Protagonist sei, fast immer eindeutig zu beantworten, selbst wenn tatsächlich jede Figur einer Geschichte, aus ihrer Sicht die Hauptrolle spielt.

Viel interessanter jedoch als die Frage, wessen Geschichte es sei, ist der Umstand, dass es immer Bedarf gibt, mehr über den Antagonisten zu erfahren, gerade weil es nicht seine Geschichte ist. Aus diesem Zusammenhang können gute Autoren Dynamiken ableiten und immer neue Stoffe entwickeln.

Je stärker ein Antagonist konstruiert ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass er früher oder später seine »eigene Show« bekommt und damit die Chance, seine Erlebniswelt zu schildern. Das Schöne daran ist, dass damit automatisch ein facettenreicher, faszinierender Protagonist entsteht, mit dem sich Zuschauer oder Leser leicht identifizieren können.

Darth Vader, Lord Voldemort und der Terminator sind berühmte Beispiele für diese perspektivische Wandlung, wobei man natürlich die Feststellung treffen muss, dass nicht jede Art von Antagonist sich dafür eignet.

Albrecht Behmel

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