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Beitrag vom 27. Mai 2014 | Rubrik: Bachmannpreis 2014

Bachmannpreis 2014: Das ist neu und das bleibt gleich

Bachmannpreis 2014

Heute, am 27. Mai 2014, wurden die 14 Kandidatinnen und Kandidaten für den Bachmannpreis 2014 bekannt gegeben. Es fällt auf, dass »lebt in Berlin« nur bei drei Autoren zu lesen ist.

Und sonst? Im letzten Jahr wollte der ORF den Literaturpreis fast absetzen. Am Ende reiste ORF-Chef Alexander Wrabetz selbst nach Klagenfurt und kündigte im Interview mit dem literaturcafe.de Gespräche über Veränderungen am Wettbewerb an.

Wir sagen, was bleibt und was sich ändert.

Fünfeinhalb Österreicher unter den Lesenden

Große Dominanz bei den österreichischen Autoren: Statt »lebt in Berlin« heißt es in diesem Jahr des Öfteren »lebt in Graz«. Fünfeinhalb Teilnehmerinnen und Teilnehmer stammen aus Österreich, sechseinhalb aus Deutschland, zwei aus der Schweiz. Der Autor und Cartoonist Tex Rubinowitz zählt halb für Deutschland und für Österreich, denn er stammt aus Deutschland, lebt aber schon seit Jahren in Wien. Bachmann-Besuchern ist Rubinowitz als DJ am Lendhafen und Master of Ceremony beim »Bachmann Song Contest« bekannt, den er erfreulicherweise trotz Doppelbelastung auch in diesem Jahr veranstaltet.

Doch von Veränderungen am Ablauf der »38. Tage der deutschsprachigen Literatur« in Klagenfurt ist ansonsten nichts zu merken, wenn man sich das Programm auf der Website anschaut. »Zum Glück«, mögen da einige sicher ausrufen. Weder Lesezeit noch Kandidatenliste sind gekürzt.

Gelesen wird wieder von Donnerstag bis Samstag mit der Preisverleihung am Sonntag (3. bis 6. Juli 2014). Lesungen, Jury-Diskussion und Preisverleihung werden vollständig auf 3sat übertragen, was die freuen wird, die nicht vor Ort dabei sind. Auch im Netz gibt es wieder einen Livestream. Die Eröffnung am Abend des 2. Juli 2014 wird wie gehabt nur im Web zu sehen sein. Die »Klagenfurter Rede zur Literatur« hält in diesem Jahr Maja Haderlapp, die 2011 den Bachmannpreis  gewonnen hat. Ihre Rede trägt den Titel »Im Licht der Sprache«. Außerdem wird am Eröffnungsabend wie immer die Lesereihenfolge ausgelost.

Nur ein Wechsel in der Jury

Auch der Ton der Jury-Diskussion dürfte sich in diesem Jahr nicht sehr verändern. Das ist das Einzige, was man vielleicht bedauern mag. Nichts gegen die Jurorinnen und Juroren, doch hier hätten etwa Auffrischung und somit neue Töne in der Diskussion sicherlich gut getan. Jury-Vorsitzender bleibt Burkhard Spinnen. Es gibt lediglich einen Wechsel: Für Paul Jandl rückt der in Wien lehrende Literaturprofessor Arno Dusini nach. Dass Jandl nicht mehr mit dabei ist, ist bedauerlich. Er gehörte nicht zu den lautesten Juroren, doch war er oft der einzige, der hin und wieder wohltuende, da schärfer formulierte kritische Anmerkungen zu den Texten machte.

Moderator ist zum zweiten Mal Christian Ankowitsch, dessen Einstieg im letzten Jahr gelungen war und der immer wieder die Resonanzen aus der Online-Welt in seine Moderation einbezog.

Die Veränderungen liegen eher im Kleinen: So wird der Ernst-Willner-Preis nicht mehr von den deutschsprachigen Verlagen gestiftet; stattdessen ist die Buchhandlung Heyn eingesprungen, die dem Preis ohnehin schon seit Jahren sehr verbunden ist. Im Video-Podcast hatten wir letztes Jahr darüber berichtet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis trägt nun den Titel »Mr. Heyn´s Ernst-Willner-Preis«. Ein Genitiv-Apostroph, der schmerzt.

Die Sponsoren und »Programmpartner« sind wichtig für die Finanzierung des Wettbewerbs. Zu den neuen Förderern zählt unter anderem ein Kaffeeröster.

Ansonsten spare man, wo es geht, sagt man uns beim Telefonat mit dem ORF in Kärnten. So verzichtete man in diesem Jahr auf Pressekonferenzen in Wien und Berlin und stellte den Bewerb 2014 nur in Klagenfurt vor.

Längere Publikumsabstimmung

Eine Veränderung gibt es dann doch noch, die für die Zuschauer relevant ist: Für den mit 7.500 Euro dotierten Publikumspreis kann erstmals bereits ab dem Lese-Donnerstag abgestimmt werden. Bislang war die Abstimmung per Web-Formular erst möglich, nachdem alle 14 Kandidatinnen und Kandidaten gelesen hatten.

Und das literaturcafe.de wieder live vor Ort

Das literaturcafe.de wird wie in den letzten Jahren ebenfalls live aus Klagenfurt berichten. In diesem Jahr wird nicht nur Herausgeber Wolfgang Tischer vor Ort twittern und podcasten, sondern auch Doris Brockmann, die im letzten Jahr den Literaturwettbewerb für das literaturcafe.de von daheim aus verfolgte. Sie wird zum ersten Mal in die Kärtner Landeshauptstadt reisen und direkt von dort berichten.

Vorschaubild

Bachmannpreis 2014 – Der Podcast (Intro und Rückblick auf 2013)

Wolfgang Tischer

2 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Eva Jancak schrieb am 28. Mai 2014 um 07:43 Uhr

    Wie kann man über den Preisträger abstimmen, wenn man die Texte noch nicht kennt oder werden die auch schon früher in das Netz gestellt? Wenn nicht, kann das nur Freunderlwirtschaft fordern, ich kenne Gertraud Klemm, denn die ist wahrscheinlich auch sehr internetaffin und stimme für sie ab, beispielsweise und wenn es die Texte auch schon früher geben sollte, müßte man sich durch sie durchlesen, dann fehlt mir aber der Direktleseeindruck und die Diskussion, also nicht sehr demokratisch und etwas fragwürdig oder habe ich das falsch verstanden?

  2. Helmut Zechner schrieb am 28. Mai 2014 um 14:05 Uhr

    Zu Ihrer Anmerkung: “…… »Mr. Heyn´s Ernst-Willner-Preis«. Ein Genitiv-Apostroph, der schmerzt.

    Wer den Duden gut kennt, verspürt keine Schmerzen:
    Kein Apostroph steht in der Regel vor dem Genitiv-s von Namen, auch nicht, wenn sie abgekürzt werden:
    Ingeborg Bachmanns (nicht: Bachmann’s) Lyrik, I. B.s Lyrik, Brechts Dramen, Bismarcks Politik, Hamburgs Hafen, Shelleys Briefe, Angela Merkels Europapolitik usw.

    Gelegentlich wird in solchen Fällen ein Apostroph gesetzt, um die Grundform eines Namens zu verdeutlichen:
    Andrea’s Boutique (zur Unterscheidung vom männlichen Vornamen Andreas), Carlo’s Taverne usw.
    © Duden – Richtiges und gutes Deutsch, 7. Aufl. Mannheim 2011 [CD-ROM]

    Beste Grüße sendet Ihnen Helmut Zechner aka Mr.Heyn

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