Ausführlicher Test: Der Kindle Paperwhite 2 von Amazon

Nicht mal ein Jahr hat es gedauert, da bringt Amazon bereits eine neue Modellvariante des Kindle Paperwhite auf den deutschen Markt. Amazon verspricht eine noch bessere Textdarstellung und Lesbarkeit. Außerdem wurde die Software des Kindle Paperwhite um neue Funktionen ergänzt. Nachtrag vom November 2014: Aktuell wir das Gerät von Amazon für 99 Euro verkauft. Am 15. Juli 2015 an Prime-Kunden sogar für 79 Euro.

Hinweis: Der folgende Test bezieht sich auf das zweite Kindle Paperwhite Modell. Einen ausführlichen Test der dritten Modellgeneration von 2015 lesen Sie hier.

Wir haben ein Seriengerät der zweiten Modellgeneration ausführlich getestet. Was ist besser am aktuellen Kindle Paperwhite? Und was bringen die Verbesserungen in der Praxis?

Lesen Sie unseren Praxistest, bei dem wir die Tester hin und wieder verwirren konnten.

Verpackung, Aussehen und Zubehör

Die Kartonverpackung, in der der Kindle Paperwhite geliefert wird, ist genauso groß wie die des Vorjahresmodells. Das ist auch nicht verwunderlich, denn Gehäusegröße, Gewicht und Aussehen des Gerätes sind nahezu unverändert. Kaum wahrnehmbar ist das Kindle-Logo auf der Vorderseite modifiziert worden. Und auf der Rückseite des Gehäuses steht nicht mehr »kindle«, sondern glänzend »amazon«. Das Plastikgehäuse ist weiterhin in mattem Schwarz gehalten.

Größter Unterschied nach dem Öffnen der Verpackung: Das mitgelieferte USB-Ladekabel ist schwarz und nicht mehr weiß, wie in den Jahren zuvor.

Wer den Kindle Paperwhite nicht am PC, sondern an der Netzsteckdose aufladen will, der benötigt einen Netzadapter und bestellt ihn am besten gleich mit. Damit ist der Kindle Paperwhite schneller aufgeladen als an der USB-Schnittstelle eines Computers.

Der Kindle Paperwhite 2 muss noch seltener an die Steckdose als sein Vorgänger, verspricht Amazon. Das konnten wir noch gar nicht testen, denn die Akkulaufzeit soll bei normalem Leseverhalten trotz Beleuchtung bis zu 8 Wochen betragen.

In puncto »Akkulaufzeit« und »Lesen im hellen Licht« ist jedes E-Ink-Gerät einem Tablet-Computer überlegen.

Ebenfalls beim Kauf dazu erwerben sollte man eine Hülle, um das Gerät daheim und auf Reisen vor Staub, Schmutz und Kratzern zu schützen. Da das Gehäuse mit dem des Vorgängers identisch ist, können Sie unseren Hüllentest vom Vorjahr zurate ziehen.

Fotostrecke: Der neue Kindle Paperwhite (14 Bilder)

Nach dem Einschalten: WLAN und Kundendaten

Nach dem Einschalten begrüßt einen das Gerät, und einer der ersten angeforderten Schritte ist die Verbindung mit einem WLAN. Vom neuen Kindle Paperwhite wird es auch eine 3G-Variante geben, die per Mobilfunk überall mit den Amazon-Servern und dem Shop Verbindung aufnimmt. Der weltweite Mobilzugriff ist einmalig mit dem höheren Verkaufspreis der Mobilfunkversion abgegolten. Die 3G-Version kann bereits bestellt werden und soll ab Anfang November 2013 ausgeliefert werden.

Nach dem WLAN-Kontakt meldet man sich auf dem Gerät mit seinen Amazon-Kundendaten an. Auch hier hat sich nichts gegenüber dem Vorgänger geändert. Ein Kindle ist mit einem Amazon-Konto verbunden, über das alle Bestellvorgänge laufen. Die meisten E-Books sind auf das Käufer-Konto lizenziert und mit diesem verknüpft (DRM-Kopierschutz). Wer einen Kindle als Lesegerät kauft, wird in der Regel auch seine E-Book bei Amazon erwerben. Allerdings können Kindle-E-Books auch auf iPad, iPhone oder Android-Handy gelesen werden und sogar auf Notebook und Bürorechner, wenn eine kostenlose Lese-App heruntergeladen wurde.

Die neue Textdarstellung: Besser, weißer, schärfer?

Wie aber sieht nun die Leseanzeige des neuen Kindle Paperwhite aus? Ist das Weiß weißer und das Schwarz schwarzer, so wie Amazon es verspricht? Geht das »Umblättern« flotter? Ist die Darstellung von Schriften schärfer?

Die Antwort lautet ja – aber man merkt es beim Lesen eigentlich nicht. Der Unterschied wird nur dann deutlich, wenn das neue und alte Modell direkt nebeneinander liegen. Gelegentlich konnte man die Tester in der Redaktion des literaturcafe.de für einen kurzen Augenblick verunsichern, wenn man ihnen sagte, sie hätten gar nicht das neue, sondern das alte Modell ausprobiert. So richtig sicher kann man nur bei einem Blick auf das Logo der Geräterückseite sein, speziell im ausgeschalteten Zustand.

Das mag die gute Nachricht für diejenigen sein, die sich noch das alte Modell gekauft haben, kurz bevor das neue angekündigt wurde. Deutlich ins Auge fällt die neue Displaytechnik nicht, die im Kindle Paperwhite 2 eingebaut wurde.

In zwei Punkten sind jedoch Verbesserungen festzustellen. Das sogenannte Ghosting fällt beim neuen Modell weitaus geringer aus. Damit sind Rückstände von Texten gemeint, die nach dem »Umblättern« immer noch sichtbar sind. Das sieht ein bisschen so aus wie bei einer Zeitung, wenn die Rückseite durchscheint. Dieser unschöne Effekt ist bei unserem Testgerät wesentlich weniger deutlich als beim Vorgängermodell.

Ebenso verbessert wurde die Ausleuchtung am unteren Rand. Bei der ersten Modellversion konnte man noch genau erkennen, wo die LEDs unter dem Gehäuse sitzen, die das Display beleuchten. Es sah fast so aus, als wäre das Display leicht gewellt, wie feuchtes Papier. Das Display des neuen Kindle Paperwhite ist gleichmäßig hell.

Es gab Kunden, die schickten ihr Gerät der ersten Modellgeneration gleich mehrfach zum Umtausch an Amazon zurück, weil Ghosting oder ungleichmäßige Ausleuchtung extrem störten. Unser Testgerät von damals schien eines der besseren zu sein.

Neue Softwarefunktionen mit Vokabeltrainer

Softwareseitig sind beim Kindle Paperwhite einige Erweiterungen hinzugekommen. Keine davon braucht eine neue Hardware. Daher ist es für Kunden der ersten Modellversion ärgerlich, dass sie bislang (?) kein Update erhalten, um ebenfalls in den Genuss der neuen Funktionen zu kommen. Verbesserungen auf diesem Gebiet sind leider eine produktpolitische und keine technische Entscheidung. Wobei man festhalten muss, dass die Verbesserungen auch hier nicht bahnbrechend sind. Nachtrag vom März 2014: Mittlerweile gibt es ein Software-Update für die Geräte der 1. Generation, das alle unten beschriebenen Funktionen auch auf die älteren Geräte bringt, sodass es hier erfreulicherweise keine Unterschiede mehr gibt.

Neu ist eine Seite-in-Seite-Darstellung, von Amazon »PageFlip« genannt. Hierbei kann man seiten- oder kapitelweise vor und zurückblättern, und die ursprüngliche Seite bleibt im Hintergrund angezeigt, während die andere verkleinert darübergelegt wird. Man kommt so intuitiver zur aktuellen Lesestelle zurück. Schade, dass eine solche Visualisierung nicht auch über die Suchfunktion angeboten wird. Aufrufbar ist die kleine Darstellung aber über eine verbesserte Lesezeichenansicht, die alle gesetzten Merker eines Buches auflistet und beim Tipp auf einen Eintrag die jeweilige Seite verkleinert anzeigt.

Softwareseitig ebenfalls neu ist ein Vokabeltrainer. Schlägt man während des Lesens ein Wort im Wörterbuch nach, indem man es länger mit dem Finger berührt, so wird es automatisch in den Vokabeltrainer aufgenommen. Wie bei den guten alten Vokabelkästen kann man diese Begriffe später nochmals durcharbeiten und als »Beherrscht« markieren, wenn man ihre Bedeutung intus hat. Da man bei Amazon eine große Auswahl an fremdsprachigen E-Books erwerben kann, trainiert man so individuell seinen Wortschatz. Die mitgelieferten Wörterbücher sind gleichsprachig. Es können jedoch auch Wörter oder ganze Passagen des Buches übersetzt werden, was mithilfe von Microsofts Suchdienst Bing erfolgt. Um sich eine Übersetzung anzeigen zu lassen, ist daher ein WLAN-Zugriff erforderlich. Da haben es Besitzer der 3G-Variante einfacher. Sie können sich auch unterwegs Übersetzungen aufrufen.

Das war es dann auch schon mit den wichtigsten Softwareneuigkeiten des Kindle Paperwhite 2. Kindersicherung und integrierter Webbrowser sind identisch mit dem Vorgänger. Umgestellt wurden ein paar Menüpunkte. Die eigenen und fremden Markierungen in einem Buch sind beim neuen Paperwhite über das »Gehe zu«-Menü erreichbar.

Kurze Textstellen können wie bisher per Twitter oder Facebook weitergeleitet werden, die leider auch aus deutschen E-Books heraus mit amazon.com verlinkt werden. Weitere sogenannte Social-Reading-Funktionen, die auf Wunsch den Austausch und die Diskussion mit anderen Lesern direkt im E-Book ermöglichen, sind bislang in der Software des Kindle Paperwhite nicht integriert. Es ist jedoch zu erwarten, dass auch die deutsche Softwareversion über kurz oder lang einen Anschluss an die Lesecommunity Goodreads erhält, die unlängst von Amazon erworben wurde.

Und die Typografie?

In Sachen Typografie hat sich auf dem Gerät leider nichts getan. Man kann Schriftgröße, Seitenränder, Zeilenabstand und Zeichensatz einstellen wie bisher. Die neue Software ermöglicht weiterhin keine Silbentrennung, sodass es mitunter zu großen Wortabständen oder ungleichmäßigen rechten Texträndern kommt. Verloren rumstehende Zeilen oder gar Überschriften am Ende der Seite werden nach wie vor nicht elegant ausgeglichen. Sogenannte Hurenkinder und Schusterjungen gehören daher immer noch zur nicht optimalen Typografie der digitalen Kindle-Seiten.

Weitere Details können Sie zudem in unserem Kindle-Paperwhite-Test vom Vorjahr nachlesen, die auch für den neuen Kindle Paperwhite gelten.

Fotostrecke: Der Kindle Paperwhite 2013 (14 Bilder)

Fazit und Kaufempfehlung

Der Kindle Paperwhite 2 ist definitiv besser als sein Vorgänger, allerdings gibt es keine bahnbrechenden Neuerungen oder Verbesserungen, sodass sich Käufer der ersten Paperwhite-Modellgeneration nicht ärgern oder gar ein neues Gerät kaufen müssen. Merklich optimiert wurden die bisherigen Schwachpunkte Displayausleuchtung und Seitenaufbau (Ghosting-Effekt).

Der Kindle Paperwhite 1 war Testsieger bei der Stiftung Warentest und der beste E-Reader. Mit der optimierten Version 2 dürfte dem Amazon-Gerät diesen Rang derzeit kein anderes Lesegerät streitig machen. Nachtrag vom 01.02.2014: In der Tat ist der Paperwhite im Heft 2/2014 erneut Testsieger im E-Reader-Vergleich der Stiftung Warentest.

Nachtrag vom November 2014: Aktuell wir das Gerät von Amazon für 99 Euro verkauft.

Lesen Sie auch den Test des Nachfolgemodells 2015

Im Juni 2015 hat Amazon die neue Generation des Kindle Paperwhite angekündigt, die ab 30. Juni 2015 ausgeliefert wird.

Lesen Sie auch unseren Test des Kindle Voyage, dem aktuellen Amazon Spitzemodell.

Die Kindle-Modelle bei Amazon

Sinnvolles Zubehör für den Kindle Paperwhite

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Wolfgang Tischer: Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen - 6., nochmals erweiterte und überarbeitete Ausgabe [Kindle Edition] für Amazon Kindle (alle Modelle) und die entsprechenden Apps für iPhone, iPad, Android, Mac und PC, 2012. literaturcafe.de.

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