Ausführlicher Test: Amazon Kindle 2014 mit Touch-Display – Der Textguckkasten

 

Amazon bietet ein neues Einsteiger-Modell des Kindle an. Auffälligste Änderung: Der neue kleine Kindle hat keine Tasten mehr. Stattdessen setzt man auf eine berührungsempfindliche Lesefläche.

Wir haben das neue Gerät ausführlich getestet und stellen es Ihnen vor. Wie gut ist der neue günstige Kindle E-Reader mit Touch-Bedienung? Ist er wirklich besser als der alte?

Hinweis: Dieses Gerät ist seit Juli 2016 veraltet. Unseren ausführlichen Test des Nachfolgemodells finden Sie hier im literaturcafe.de.

Seit Anfang Oktober 2014 ist der neue Kindle erhältlich. Er ersetzt das Modell der vorigen Generation vollständig, das seit September 2014 über Nacht aus dem Amazon-Sortiment verschwunden und nicht mehr zu bestellen ist. Ebenfalls angekündigt ist eine Luxus-Version des Kindle Readers. Der »Kindle Voyage« soll ab November 2014 für 189 Euro erhältlich sein. Nachtrag: Unseren Test des Voyage finden Sie mittlerweile hier.

Die Einsteiger-Variante trägt nach wie vor die schlichte Bezeichnung »Kindle« und kostete zunächst 59 Euro. Damit war sie 10 Euro teurer als das Vorgängermodell mit Blättertasten, das zuletzt für 49 Euro angeboten wurde. Unser Testgerät haben wir auf dem üblichen Weg bei Amazon gekauft.

Weiße Modellversion verfügbar

Nachtrag: Seit Oktober 2015 ist das Gerät auch in einer weißen Variante erhältlich.

Der kleine Kindle in Weiß (Foto: Amazon)

Bedienung per Berührung: Das Touch-Display

Die auffälligste Änderung sind die fehlenden Tasten auf der Gerätevorderseite. Der Kindle des Modelljahres 2014 hat weder Blättertasten am seitlichen Gehäuserand noch Auswahl- und Funktionstasten unter der Lesefläche. Nur an der unteren Gehäuseseite gibt es einen Ein- und Ausschalter.

Bildergalerie: Der Kindle des Modelljahrs 2014 im Text (12 Bilder)

Bedient wird das Gerät über ein berührungsempfindliches Display, das jedoch im Gegensatz zum Kindle Paperwhite nicht beleuchtet ist. Wenn man so will, ist der Kinde ein Paperwhite ohne Licht, denn softwareseitig wurde das Einsteigermodell aufgewertet und dem großen Bruder angepasst. Doch der kleine Bruder ist deutlich pummeliger und dicker: Das Gehäuse des neuen Kindle wirkt weniger filigran.

Die Bedienung per Fingertipp bietet wesentlich mehr Komfort, wenn man Textstellen markieren möchte. Ebenso können Anmerkungen oder Suchbegriffe über die virtuelle Bildschirmtastatur schneller und bequemer eingetippt werden. Speziell die Buchstabenanwahl per Richtungstasten war beim Vorgängermodell sehr umständlich. Auch andere Funktionen wie die Veränderung der Schriftgröße oder der Zugriff auf das virtuelle Buchregal sind per Fingertipp oder Wischgeste weitaus schneller zugänglich. Und natürlich wir auch per Fingertipp umgeblättert. Die Vor- und Zurückblätterbereiche sind dabei so angelegt, dass man auch dann mit dem Daumen vorblättern kann, wenn man das Geräte mit der linken Hand hält.

Dennoch: Speziell beim Blättern waren die eigens hierfür konzipierten Tasten des Vorgängers ein Gewinn. Der Daumen musste nicht ständig über die Lesefläche bewegt werden, sondern konnte auf den Tasten ruhen. Selbst beim Test des Kindle Paperwhite wünschten wir uns die Rückkehr der Blättertasten, und tatsächlich spendiert Amazon sie dem Luxusmodell Kindle Voyage in einer weiterentwickelten Variante. Das Display des kleinen Kindle sitzt zudem fast 1 Millimeter tiefer im Gerät als beim Paperwhite. Man muss also beim Blättern mit dem Daumen »tiefer ins Gerät greifen«.

Doch an das Blättern per Daumenbewegung hat man sich schnell gewöhnt.

Displaygröße und Unterschied zum Kindle Paperwhite

Die Größe des Lesebereichs mit 6 Zoll hat sich gegenüber dem Vorgängermodell nicht verändert. Selbst bei Kindle Paperwhite und Kindle Voyage sind die Maße identisch.

Mit seiner Beleuchtung hat der Kindle Paperwhite (links) ein deutlich helleres Display als der aktuelle Kindle (Mitte) oder der Vorgänger (rechts). Weitere Unterschiede zeigt unserer Bildergalerie.

Dennoch ist der Lesebereich das wesentliche Unterscheidungsmerkmal der Kindle-Varianten mit E-Ink-Display, was die unterschiedlichen Preise begründet. Der Bildschirm des kleinen Kindle hat keine Beleuchtung und setzt auf die herkömmliche Darstellungstechnik (Pearl-Technonlogie). Der Paperwhite kommt mit Beleuchtung und einer etwas schärferen Darstellung aufgrund einer höheren Pixeldichte (Carta-Technologie). Beim Kindle Voyage ist die Zahl der Pixel nochmals erhöht, sodass die Qualität der Textdarstellung mit 300 dpi tatsächlich dem gedruckten Buch entspricht.

Hat man die Geräte jedoch nicht unmittelbar nebeneinander liegen, fällt einem der Unterschied nicht wirklich auf, und auch der kleine Kindle bietet eine papierartige scharfe und flimmerfreie Textdarstellung: Sogar in der prallen Sonne kann man darauf wunderbar lesen. Im dunklen Schlafzimmer benötigt man jedoch Licht, da das Display nicht beleuchtet ist. Das Display des Vorgänger-Kindle erscheint in unserem Test minimal heller, was man jedoch nur im direkten Vergleich bemerkt.

Der Kindle des Modelljahres 2014 unterstützt mit einer entsprechenden Hülle das automatische Ein- und Ausschalten des Geräts durch bloßes Auf- und Zuklappen. Ein Druck auf den Einschaltknopf ist nicht notwendig. Wie alle E-Ink-Geräte reicht eine Akku-Ladung in der Regel für Wochen aus.

Reklame im Ruhezustand

Der Kindle 2014 zeigt erstmals auf einem E-Ink-Gerät im ausgeschalteten Zustand Werbung an. Amazon nennt dies »Spezialangebote«. Dass die Geräte auch Inhalte anzeigen, wenn sie ausgeschaltet sind, ist die Besonderheit der E-Ink-Technologie. Alle Vorgängermodelle und selbst der Paperwhite zeigen nur Schmuckbilder, der neue Kindle wirbt für weitere E-Books. Das stört nicht besonders, da beim Lesen selbst keinerlei Reklame eingeblendet wird. Dennoch muss man nach dem Einschalten des Gerätes die Werbung mit einer Wischgeste »beiseite schieben«, bevor man weiterlesen kann. Wer die oben erwähnte Originalhülle hat, würde sonst die Werbung nach dem Aufklappen gar nicht sehen.

Bei der Darstellung der Lesebibliothek werden unten im Display personalisierte Kaufvorschläge gemacht. Diese Anzeige lässt sich jedoch in den Einstellungen des Geräts deaktivieren (Menü: Einstellungen => Geräteoptionen => Persönliche Einstellungen => Empfehlungen und Angebote).

Auch die Anzeige der Werbung im ausgeschalteten Zustand bzw. beim Einschalten lässt sich via Amazon-Website deaktivieren. Jedoch kostet dies einmalig 20 Euro. Alternativ kann man den Kindle gleich ohne Reklame für ebenfalls 20 Euro Mehrpreis erhalten. Man sollte daher die günstigere Variante erwerben und erst einmal schauen, ob die Werbung wirklich stört und die Entfernung 20 Euro Mehrpreis rechtfertigt.

Befüllung per WLAN

Der kleine Kindle benötigt einen WLAN-Zugang, um Bücher bequem kaufen und herunterladen oder auf Wikipedia und Übersetzungen zugreifen zu können. Wie alle Kindle-Modelle besitzt das Gerät auch einen rudimentären Web-Browser. Der Reader kann zwar alternativ via USB-Kabel mit Buchdateien bestückt werden, doch ist dies eher eine umständliche Notlösung.

Immer wieder ist zu hören, der Kindle benötige zum Lesen der E-Books eine Netzverbindung oder man könne nur via WLAN auf seine Bibliothek zugreifen. Das ist so jedoch falsch. Tatsächlich befindet sich die E-Book-Datei beim Lesen auf dem Gerät, sonst wäre eine Lektüre beispielsweise am Strand oder in der S-Bahn nicht möglich. Man kann alle seine E-Books auf das Gerät laden und hat jederzeit offline Zugriff darauf. Zusätzlich liegen jedoch alle jemals gekauften Titel in der Cloud, also in der virtuellen Bibliothek. Hat man die Datei auf dem Gerät gelöscht, kann man sie von dort jederzeit wieder herunterladen, wozu dann eine Netzverbindung notwendig ist.

Bessere Software mit mehr Funktionen

Was die Software betrifft, hat Amazon das neue Modell aufgewertet. Zwischen dem kleinen Kindle und dem Paperwhite bestehen praktisch keine Unterschiede mehr. Mit der sogenannten PageFlip-Funktion kann man schnell zu anderen Textstellen und zurück springen. Auf Basis des eigenen Lesetempos wird die verbleibende Lesezeit im Kapitel und für das Buch angezeigt. In einen Vokabeltrainer kann man Begriffe aus fremdsprachigen Büchern aufnehmen. Suchfunktion und X-Ray-Anzeige helfen dabei, den Inhalt des Buches zu erschließen. Die Kindersicherung erlaubt es, Inhalte zu sperren. Ebenso unterstützt das Gerät bei der Lesemotivation jüngerer Leser mit virtuellen Abzeichen, und Eltern können sehen, wie viel ihr Kind gelesen hat.

Der Kindle der mittlerweile 7. Generation ist laut Amazon natürlich schneller geworden und besitzt mehr Speicher als der Vorgänger. In der Praxis stellt man jedoch keinen merklichen Unterschied fest. Da Textdateien nicht sehr groß sind, war der Speicherplatz auch bislang nie wirklich knapp. Amazon wirbt sogar mit 20% schnellerem Umblättern als beim Vorgänger. Auch das ist in der Praxis nicht wirklich zu bemerken.

Schwerer und breiter: das neue Gehäuse

Was Amazon nicht sagt: Der neue Kindle ist schwerer und größer geworden als sein Vorgänger. Unsere Briefwaage misst beim alten Kindle 167 und beim neuen Modell 192 Gramm. Das sind 25 Gramm Unterschied. Nicht viel, aber immerhin. Zudem ist das neue Modell gut 1 Millimeter dicker, 4 Millimeter breiter und 3 Millimeter höher. Die Rückseite sieht deutlich mehr nach Plastik aus als die leicht samtig wirkende Oberfläche des Vorgängers. Die Rückseite ist an den Rändern abgeschrägt, wo sie beim alten Gerät mit einer Abrundung den Händen mehr schmeichelte.

Aussehen ist natürlich Geschmackssache, doch wirkt der neue Kindle klobiger als sein Vorgänger. Zusammen mit der tiefer liegenden Lesefläche könnte man ihn liebevoll als »Textguckkasten« bezeichnen.

Ganz anders verspricht hier künftig der Kindle Voyage aufzutreten, dessen Oberfläche wie bei einem Tablet oder dem neuen Tolino absolut plan sein wird.

Ausstattung und Zubehör

Wie bei allen Kindle-Modellen gehört zum Lieferumfang des Geräts lediglich ein USB-Kabel. Sinnvoll ist daher der zusätzliche Kauf eines Ladeadapters, mit dem man das Gerät auch an einer Steckdose aufladen kann. Um den Kindle vor Staub und Kratzern zu schützen, ist der Erwerb einer Schutzhülle ratsam, vor allem wenn man mit dem Gerät viel unterwegs ist. Die Originalhülle von Amazon ist in unterschiedlichen Farben erhältlich und unterstützt wie oben erwähnt das automatische Ein- und Ausschalten des Kindle beim Auf- und Zuklappen. Mit 25 Euro kostet sie allerdings fast halb so viel wie das Lesegerät selbst!

Hüllen von Drittherstellern sind unter Umständen etwas günstiger. Man sollte jedoch darauf achten, dass diese Hüllen das Aus- und Einschalten unterstützen. Sofern die Hüllen sich nicht eng an das Gerät anschmiegen, passen aufgrund der identischen Gerätegröße auch Hüllen, die für den Paperwhite angeboten werden, z. B. die von Tuff-Luv.

Video: Wolfgang Tischer zeigt die Unterschiede der Kindle-Geräte

Fazit: Solides Einstiegs- oder Zweitgerät

Der Kindle der 7. Generation ist weiterhin ein solides Einsteigermodell in die Kindle-Lesewelt oder ein günstiges Zweitgerät. Wer seine E-Books bei Amazon kauft oder kaufen wird und für den Reader wenig Geld ausgeben möchte, ist damit gut beraten. Das EPUB-Format wird vom Kindle nicht unterstützt.

Speziell beim Markieren von Textstellen oder bei Textanmerkungen bietet der Touchscreen mehr Komfort als das Vorgängermodell. Lobenswert ist, dass Amazon die Software des kleinen Modells aufgewertet und nicht künstlich beschränkt hat.

Dass das neue Gerät schneller sein soll, aber auf der anderen Seite schwerer und größer als der Vorgänger ist, merkt man nur im direkten Vergleich. In der Praxis fallen die Unterschiede nicht weiter auf.

Hinweis: Dieses Gerät ist seit Juli 2016 veraltet. Unseren ausführlichen Test des Nachfolgemodells finden Sie hier im literaturcafe.de.

Bildergalerie: Der Kindle des Modelljahrs 2014 im Text (12 Bilder)

Wer jedoch einen Kindle-Reader mit beleuchtetem Lesefeld wünscht, der sollte zum Kindle Paperwhite greifen. Oder zum Kindle Voyage mit noch besserem Display und Blättertasten. Nachtrag: Auch den Voyage haben wir mittlerweile ausführlich getestet. Mehr Luxus und besseres Aussehen hat jedoch seinen Preis, denn für einen Kindle Voyage (169 Euro) bekommt man drei der Einsteigergeräte (49 Euro).

Kein anderer Online-Shop bietet eine so hohe Zahl an deutsch- und englischsprachigen E-Books wie Amazon. Hinzu kommen die unzähligen günstigen Titel der Self-Publisher, unter denen sich hin und wieder eine Perle finden lässt. Die kostenlosen Lese-Apps von Amazon erlauben es zudem, dass man seine E-Books unterwegs auch auf dem Handy weiterlesen kann.

Der Kindle – das hier getestete und nicht mehr lieferbare Einsteigermodell in Schwarz und Weiß:

Kindle, 15,2 cm (6 Zoll) Touchscreen ohne Spiegeleffekte, WLAN (Schwarz) – mit Spezialangeboten. Elektronik. Amazon. ISBN/EAN: 0848719046366. EUR 59,99

Kindle, 15,2 cm (6 Zoll) Touchscreen ohne Spiegeleffekte, WLAN (Weiß) – mit Spezialangeboten. Elektronik. Amazon. ISBN/EAN: 0848719096606. EUR 69,99

Amazons neue, verbesserte Kindle-Einsteigermodelle 2016/2017 in Schwarz und Weiß:

Kindle eReader, 15,2 cm (6 Zoll) Touchscreen ohne Spiegeleffekte, WLAN (Schwarz) - mit Spezialangeboten. Elektronik. Amazon. ISBN/EAN: 0841667100982. EUR 49,99 » Bestellen bei Amazon.de

Kindle eReader, 15,2 cm (6 Zoll) Touchscreen ohne Spiegeleffekte, WLAN (Weiß) - mit Spezialangeboten. Elektronik. Amazon. ISBN/EAN: 0841667101002. EUR 49,99 » Bestellen bei Amazon.de

Der große Bruder Kindle Paperwhite mit beleuchtetem Lese-Display:

Kindle Paperwhite eReader, 15 cm (6 Zoll) hochauflösendes Display (300 ppi) mit integrierter Beleuchtung, WLAN (Schwarz) - mit Spezialangeboten. Elektronik. Amazon. ISBN/EAN: 0848719056594. EUR 119,99 » Bestellen bei Amazon.de

Kindle Voyage – Der Luxusreader mit Blättertasten

Kindle Voyage eReader, 15,2 cm (6 Zoll) hochauflösendes Display (300 ppi) mit integriertem intelligenten Frontlicht, PagePress-Sensoren, WLAN. Elektronik. Amazon. ISBN/EAN: 0848719040227. EUR 189,99 » Bestellen bei Amazon.de