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Beitrag vom 2. Juli 2009 | Rubrik: Literarisches Leben

Amelie Fried: »Die Sendung soll nicht zum Shoppingkanal verkommen« – Das ZDF präsentiert die »Die Vorleser«

Ijoma Mangold und Amelie Fried sind »Die Vorleser« im ZDFEin Sendeplatz für Literatur war frei geworden. Nachdem sich Elke Heidenreich mit »lesen!« selbst ins Aus katapultiert hatte, suchte das ZDF nach einen Nachfolgeformat. Unlängst wurde verkündet, dass es Amelie Fried und Ijoma Mangold sein werden, die den Sendeplatz literarisch beerben.

Ein ausführliches Interview mit den beiden Moderatoren hören Sie in unserem literaturcafe.de-Podcast.

Am 2. Juli 2009 präsentierte das ZDF nun erstmals das neue Moderatorenteam der Presse. Gleichzeitig wurden die Bücher bekannt gegeben, die in der ersten Sendung am 10. Juli 2009 um 22:30 Uhr besprochen werden. Als erster Gast ist der Schauspieler Walter Sittler eingeladen.

Bei der Aufzeichnung einer Literatursendung in Hamburg ist die »Location« fast schon zwingend: Die neue Literatursendung »Die Vorleser« wird in der Backsteinwelt der Hafencity produziert. Es ist die erste Fernsehsendung, die fortan immer aus dem alten Zollamt kommen wird, einen Steinwurf vom SPIEGEL-Hochhaus entfernt. Einen Tag vor dem Ausstrahlungstermin wird die erste Folge am 9. Juli 2009 aufgezeichnet.

Man habe, so ZDF-Kulturchef Peter Arens, für die neue Sendung das Beste aus den Vorgängerformaten »Das literarische Quartett« und »lesen!« zusammengeführt. Klar war von Anfang an, dass in der Sendung der literarische Diskurs im Mittelpunkt stehen werde, da dieses Format bei den Zuschauern am beliebtesten sei, mehr noch als filmische Autorenporträts.

Mit Amelie Fried habe man auf der einen Seite einen Kultur- und Moderationsprofi für die Sendung gewinnen können, sagt Arens, wichtig sei auf der anderen Seite aber auch gewesen, ihr ein neues und unverbrauchtes Gesicht an die Seite zu stellen. So fiel die Wahl auf Ijoma Mangold, stellvertretender Feuilletonchef der ZEIT und den literarisch Interessierten als Bachmannpreis-Juror bekannt.

»Die Vorleser« werden und müssen ihren eigenen Stil finden, ist sich Kulturchef Arens sicher. Das Format biete Platz für unterhaltende Literatur und das literarische Oevre. Sichtlich stolz ist Arens auf den mehrdeutig zu interpretierenden Titel der Sendung. Von »vorab lesen« bis »vorlesen wie vorkosten« stecke da vieles an Bedeutung drin.

Die Sendung wird im Sitzen stattfinden und kommt daher um das obligatorische Sofa nicht herum. Zwei davon stehen quadratisch und rot auf der Bühne, auf ihnen werden in wechselnder Konstellation Moderatoren und Gast Platz nehmen.

Die beiden Moderatoren seien die erste Wahl gewesen, sagt Arenz, und Frau Fried ergänzt, dass alles, was sie in ihrem Moderatorenleben noch reizen konnte, eine Sendung über Bücher gewesen sei. Was ihren Weggang von »3 nach 9« betreffe, einer Talkshow, die sie zusammen mit Giovanni di Lorenzo über 10 Jahre lang moderierte, so sehe sie das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Etwas Schönes gehe zu Ende, etwas Schönes nehme jetzt den Anfang. Zumindest was das Alter ihres Co-Moderators angehe, habe sie sich um 12 Jahre verbessert.

Ijoma Mangold wirkt beim Termin freundlicher und offener, als man ihn als Bachmann-Juror kennt. Für ihn sei es eine interessante Herausforderung, Bücher künftig in einem anderen Medium zu spiegeln. Im Fernsehen, das sei klar, müsse man schneller auf den Punkt kommen.

So werden in der ersten Folge von »Die Vorleser« am 10. Juli 2009 um 22 Uhr 30 die folgenden Bücher besprochen:

Zusätzlich zu den Titeln, die in der Regel eine Woche vor der Ausstrahlung bekannt gegeben werden, wird es eine Rubrik »3 Bücher in 3 Minuten« geben, in der Ijoma Mangold kurzfristig ausgewählte Titel vorstellen wird.

Eine Sendung von 30 Minuten, da sei es eine Herausforderung, welchen Titeln man diese Zeit widmet, sagt Mangold. Ein richtiger Verriss sei da nicht geplant, da man schon sehr gut begründen müsse, warum man einem schlechten Buch so viel Platz einräumt. Grundsätzlich wird die Sendung verschiedene Tempi haben.

Ausgewählt werden die Bücher im Viererteam mit den beiden Redakteuren Marita Hübinger und Werner von Bergen, die bereits »lesen!« bzw. »Das literarische Quartett« betreut haben. Grundsätzlich soll es für jede Sendung eine Art thematische Klammer geben, für die idealerweise auch der jeweilige Gast stehe. In der Sendung vom 10. Juli wird das »der Familienroman« sein.

Ob Walter Sittler als erster Gast tatsächlich die beste Wahl ist, oder ob man nicht doch die gute alte und beim Publikum nicht unbedingt beliebte Cross-Promotion à la »Wetten, dass..?« betreibt? Will man Sittlers ZDF-Reihe »Der Kommissar und das Meer« etwas anschieben und Werbung für sein Kästner-Bühnenprogramm machen, da er zufälligerweise einen Kästner-Titel vorstellt? Man wird sehen, wie dies in der Sendung am 10. Juli 2009 rüberkommt.

Spannend wird es allemal werden, welchen Rang künftig das Urteil der beiden »Vorleser« Amelie Fried und Ijoma Mangold für Buchbranche und Verlage haben wird. Wir wollen nicht den Mainstream bedienen, sagt Amelie Fried, gleichwohl werde man natürlich abbilden, was auf dem Buchmarkt passiere. Die Sendung solle jedoch nicht zum Shoppingkanal verkommen.

Derzeit, so Ijoma Mangold, werde die Bestsellerliste doch sehr stark von Stephenie Meyer und ihren Bis(s)-Romanen dominiert. Mangold: Es wäre schön, wenn wir mit der Sendung die Bestsellerliste etwas modifizieren könnten.

Wolfgang Tischer

Klicken Sie hier und hören Sie im Podcast des literaturcafe.de ein Interview mit Amelie Fried und Ijoma Mangold über »Die Vorleser«

1 Kommentar zu diesem Beitrag lesen

  1. gast schrieb am 22. Oktober 2009 um 18:44 Uhr

    Ich denke ,dass die Beiden sachliche und gute Kritiker sind und die Sendung einen gewissen Anspruch besitzt. Auffällig jedoch finde ich alleine schon ,dass sich der Schlitz von Frau Fried im Vorspann abzeichnet. Wenn es gewollt ist , finde ich es armselig mit sowas anstatt mit literarischer Qualität zu werben

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